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Erzgebirge

Zu Beginn der Herbstferien begab sich die Singgemeinde der Johanniskantorei auf eine Fünftagefahrt ins Erzgebirge. Offenbar war es der richtige Zeitpunkt, denn mildes, sonniges Wetter begleitete die Reisegruppe bis zur Heimkehr. Mit dabei waren einige Ehepartner, Freunde aus dem Bachchor und - zur Freude aller - auch einige Kinder.


Die Kirche von Johanngeorgenstadt

Es war wohl bedacht, Freiberg als Eingangstor zu wählen, da hier vor über 800 Jahren reiche Silberfunde dem Ort wie dem Gebirge den Namen gegeben haben. Ein Gang durch die alte und schöne Berghauptstadt Sachsens ließ staunen über das eindrucksvolle Bild der Stadt, die durch Mittelalter und Renaissance geprägt wurde. Höhepunkt war für alle die Besichtigung des Domes, dessen vorbildhafte spätgotische Hallenarchitektur Kunstwerke von europäischem Rang birgt, wie die reichfigurierte "Goldene Pforte", die frei stehende "Tulpenkanzell" von Hans Witten, sowie die große und die kleine Silbermann-Orgel, deren einzigartig ausgewogener Klang allen erlebbar wurde.

Von der ehemaligen Werkstatt des Meisters am Schlosslatz erfolgte dann die zweistündige Fahrt bergwärts zum Reiseziel Johanngeorgenstadt. Der gefüllte Reisetag endete mit einer Probe in der stattlichen, renovierungsbedürftigen Exulantenkirche, fand hier h am nächsten Morgen der musikalisch mitgestaltete Kantatengottesdienst statt.

Bewegend war, im Anschluss daran, die Erinnerung an die denkwürdige Stadtgründung durch böhmische Flüchtlinge und an das harte Schicksal nach dem Zweiten Weltkrieg. Am Marktbrunnen unter dem Gründerdenkmal konnte ein wenig anschaulich werden, was der brutale Abriss einer intakten Altstadt für die ausgewiesenen Menschen damals und als Folgelast für die zerstreute Bürgergemeinde heute noch bedeutet.
 Wohltuend dann der Kontrast: Heitere Unbeschwertheit dann im Ortsteil Jugel. Die in Wald und Bergwiesen eingebettete alte Streusiedlung gewährte herrliche Ausblicke auf die höchsten Gipfel beidseits der Grenze. Unvergessen die schöne Waldwanderung von hier über ein Hochmoor zu der Chorherberge in ruhiger Hochlage.

Hier kam es zu Entspannung und froh-geselligem Miteinander, aber abends - einmal auch am Morgen - zu intensiven Chorproben (Vivaldi + J.S. Bach).
Die sonnigen Tage verlockten oft dazu, Kultur und Landschaft der Umgebung zu erkunden. Ein besonderes Vergnügen bereitete es, die vom Tourismus noch unberührte Natur jenseits der sächsisch-böhmischen Grenze zu durchwandern. Ausgangspunkt dazu war die alte Heimatstadt der Exulanten, zu der die Gruppe von der 100 Jahre alten Eisenbahn gebracht wurde.
 Versteckte Naturschönheiten ließen sich aber auch nahe dem Dorf Sosa im Auersberggebiet erleben. Als Kulturdenkmal besonderer Art präsentierte sich allen die Annenkirche, die Zeugnis gibt von Reichtum und Kunstsinn der Silber-Stadt Annaberg um 1500.

Ein ganz anderes Bild hingegen vermittelte die barocke Georgskirche, die zusammen mit der alten Burg das Wahrzeichen Schwarzenbergs ist. Der säulenlose helle Innenraum ist umkränzt von Logen und Emporen und versetzt den Betrachter in eine festliche Stimmung. Geschnitzte Wolken und ein goldener Strahlenkranz der freitragenden Decke erzeugt dazu die Illusion eines offenen Himmels. Stilvoll fügt sich auch der Prospekt der neuen Eul-Orgel ein, der an Silbermanns Werk in Forchheim erinnert. Die der Musik aufgeschlossene Gemeinde hat für die Orgel fast 800 000 DM aus eigener Spendenkraft aufgewendet.

In der Erinnerung an die Altstadt Schwarzenbergs bleibt das Bild schmucker Häuser, gemütlicher Gassen und die beschauliche Ruhe auf der einladenden Ratskellerterrasse am Markt.
Auf der Rückfahrt ergab sich noch die Gelegenheit zu einem Aufenthalt in Zwickau. Er konnte genutzt werden, um die gelungene Sanierung der Altstadtmitte zu bestaunen und das Geburtshaus von Robert Schumann zu besuchen. Als Museum erinnert es an die glückliche Lebensphase des Musikers bis zu seinem 18. Lebensjahr.

Am Schluss blieb auch noch Zeit für die stattliche Erscheinung des Mariendomes, wohl auch für einen Blick in den Innenraum von faszinierender Dimension. Er konzentriert die Augen auf den Hauptaltar aus der Werkstatt von Michael Wolgemut, dem Lehrmeister Dürers. Der seltene Skulpturenzyklus von 9 weiblichen Heiligenfiguren verschmilzt mit der filigranen Holzarchitektur hier zu einer Einheit von festlicher Ausstrahlungskraft.
Eine letzte Rast war der Reisegruppe dann noch in Gotha geschenkt. Ein gemeinsames Mahl und ein Spaziergang vom Schlossplatz durch die Parkanlagen der alten herzoglichen Residenz bildeten einen gefälligen Schluss des Programms.
Pünktlich kehrten wir nach Halle zurück.

Gottfried Röber
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